Forensiktage der Klinik Nette-Gut Weißenthurm

Fachtagung beschäftigte sich mit Thema „(Sexuelle) Gewalt und ihre Opfer“


Die diesjährige Fachtagung „Forensiktage“ der Klinik Nette für Forensische Psychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach (KNG) befasste sich unter dem Titel „(Sexuelle) Gewalt und ihre Opfer“ mit dem Themenfeld rund um schwere Gewaltdelikte und sexuelle Gewaltstraftaten aus unterschiedlichen Blickpunkten, um die Vielschichtigkeit des komplexen Themas zu erfassen. Welche Möglichkeiten haben Menschen, die nicht erneut zum Täter werden wollen? Was ist während des Strafverfahrens im Umgang mit Opfern sexueller Gewalt zu beachten? Wie kann Therapie von Gewaltstraftätern ablaufen? Um diese unterschiedlichen Aspekte zu beleuchten, gab es während der zweitägigen Fachveranstaltung Berichte aus der Praxis von Selbsthilfe über Prävention bis Therapie sowie Darstellungen aktueller wissenschaftlicher Perspektiven auf Rückfallrisiken von Gewaltstraftätern und Möglichkeiten der Diagnostik und Behandlung.

Wichtig, offen damit umzugehen

Das Schwerpunktthema der diesjährigen Forensiktage betrifft „sicherlich eine ganz besondere Gruppe, die wir betreuen“, sagte Dr. Gerald Gaß, Geschäftsführer des Landeskrankenhauses (AöR), zu Eröffnung am 4. November. Neben der Eruierung therapeutischer Möglichkeiten, der Risikoeinschätzung („sehr bedeutsam“) und der Einschätzung von Präventionsmöglichkeiten sei die Reintegration „eine ganz schwierige und besondere Aufgabe“, die eine „besondere Herausforderung“ darstelle. Umso wichtiger, so Dr. Gaß, sei es, offen damit umzugehen.

Der Anteil psychisch Kranker an Gewaltkriminalität sei gering, sagte Dr. Alexander Wilhelm, Staatsekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine „kleine Sub-Gruppe“ von psychisch kranken Menschen gebe, die Gewaltstraftaten ausüben könne. Daher gebe es Präventionsangebote des Landes Rheinland-Pfalz - wichtig sei für Teilnehmende ein Problembewusstsein, dass sie dazu bringe, von sich aus Hilfe in Anspruch zu nehmen. Beispielhaft nannte Dr. Wilhelm das Präventionsprojekt Dunkelfeld in Mainz. Das Land finanziert das Projekt mit, denn, so der Staatssekretär, es sei auch ein „Beitrag zum vorbeugenden Opferschutz“.

Präventive Maßnahmen für Gewaltstraftäter

Die Tagung befasste sich mit verschiedenen Aspekten von Gewalttätigkeit und Gewaltstraftaten. So wurden die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der individuellen Einschätzbarkeit der Rückfallgefahr von Gewaltstraftätern zusammengefasst. Aus der Forensischen Präventionsambulanz Asbach wurde über Modellprojekt zur Behandlung psychisch kranker Menschen mit besonders hohem Gewaltrisiko vorgestellt, dessen Ziel die Verhinderung von Gewaltstraftaten ist. Ebenfalls praxisnah war der Vortrag zu Zielen, Methoden und Strukturen des Systemischen Anti-Gewalt-Trainings, einer spezifisch an (sexuelle) Gewaltstraftäter und gewaltaffine Menschen gerichtete Behandlungsmethode im Maßregelvollzug.

Der zweite Tag der Forensiktage fokussierte sich auf verschiedene Facetten sexueller Gewalt. Die Tagungsteilnehmer wurden anhand neuer Forschungsergebnisse über Diagnostik und Behandlung von Pädophilie informiert. Vorträge über verschiedene Präventionsangebote - die Göttinger Ambulanz „Prävention sexuellen Missbrauchs“ und die Psychotherapeutische Ambulanz Koblenz - zeigten, was vorbeugend getan werden kann. Ein Jurist zeigte in seinem Referat das Spannungsfeld von Opferschutz und Ermittlungsauftrag bei der Vernehmung von Opfern sexueller Gewalt auf. Abschließend berichtete ein ehemaliger Patient des Maßregelvollzugs über seine Erfahrungen. Ein in der Online-Selbsthilfe Aktiver berichtete über Selbsthilfeansätze für pädophile Menschen.

Präventive Maßnahmen helfen, Rate der Gewaltstraftaten zu reduzieren

Die Forensiktage dienten auch dazu, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass man sich mit diesem schwierigen Thema intensiv auseinandersetzt. Die Skepsis, die die Fachleute erreicht, fasst Dr. Frank Goldbeck, Ärztlicher Direktor der Klinik Nette-Gut, zusammen: „Viele denken, wir werden erst tätig, wenn es bereits zu spät ist. Der zweite Vorwurf lautet, man denke nie an die Opfer.“ Diskussionen verliefen oft eindimensional, hoch emotional und nicht immer an Fakten orientiert.

Die Forensiktage bewiesen, dass Prävention von Gewaltstraftaten und sexuellen Gewaltstraftaten möglich ist, so Dr. Goldbeck. Und es werde viel getan, um präventiv zu wirken. „Es hilft, die Rate der Straftaten zu reduzieren.“ Das sei auch ein gesellschaftlicher Auftrag an den Maßregelvollzug. Fachleute aus der Klinik Nette-Gut arbeiten bereits intensiv präventiv mit anderen Einrichtungen zusammen.

 

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